Ein Tag mit Friedrich Eidenberger: Zwischen Inszenierung und Authentizität

Manchmal bietet ein Tag mehr als nur Fotografie – er zeigt, worum es wirklich geht. Der Tag mit Schauspieler Friedrich Eidenberger war so einer. Ursprünglich wollten wir authentische Bilder für seine Sedcard und Außenwirkung schaffen. Doch schnell wurde daraus eine Reise – durch alltägliche Szenen und Bühnenwelten. Es wurde eine Geschichte, die an Henri Cartier-Bressons Philosophie erinnert: den entscheidenden Moment zu erfassen, in dem sich Form und Inhalt im Bild harmonisch vereinen.

Der Start: Magst du danach Focaccia?

Wir begannen bei Friedrich zu Hause. “Magst du nach dem Shooting Focaccia? Ich bereite gerade einen Teig vor!” Warum auch nicht. Somit war der Start kein klassisches Shooting, sondern etwas Alltägliches, fast Meditatives: Friedrich bereitete den Teig für eine Focaccia vor. Kneten, ruhen lassen, und dazu die sorgfältige Zubereitung der Sauce. Inmitten dieser stillen Arbeit fing ich erste Bilder ein – Friedrich in seiner Küche, seine Hände im Teig, das Licht, das sich über den Raum legte.

Diese Umgebung war keine reine Kulisse, sondern zeigte Friedrich als Mensch. Er in seinem Element, das Vertraute. Fotografieren war hier ein Dialog, ein Wechselspiel zwischen Beobachtung und Offenheit. Genau das meinte Cartier-Bresson, wenn er Fotografie als ein Zusammenspiel von Kopf, Auge und Herz beschrieb.

Im Landestheater Linz: Zwischen Bühne und Authentizität

Der Teig musste ruhen. Wir konnten Arbeiten. Also wechselten wir die Kulisse – ins Landestheater Linz. Ein deutlicher Kontrast zur stillen Atmosphäre des Vormittags. Auf der Bühne lebte Friedrich seine Kunst aus: So tun als ob. Doch auch in dieser Inszenierung ging es um Authentizität. Schauspiel und Porträtfotografie begegnen sich an der Schnittstelle von Inszenierung und Wahrheit. Wie kann eine Inszenierung dennoch echt wirken?

Hier, in der Mitte von Scheinwerfern und leeren Rängen, suchte ich nach einem Moment, der diese Gegensätze auflöste. Gemeinsam schufen wir eine Bildsprache, die die Kraft und Verletzlichkeit eines Schauspielers sichtbar machte. Es war spannend, Friedrich als „er selbst“ und gleichzeitig in einer Rolle darzustellen. Doch trotz dieser Inszenierung blieb mein Ziel klar: ein natürliches, unverstelltes Porträt.

Zurück nach Hause: Der Geschmack des Moments

Am Ende des Tages kehrten wir zurück in die Wohnung. Dieses Mal war der Teig bereit, und die Focaccia kam in den Ofen. Wir ließen den Tag bei einer köstlichen Mahlzeit ausklingen. Während wir aßen, dachte ich darüber nach, wie viel Resonanz – ein Begriff, den ich bei Hartmut Rosa gelernt habe – in diesem Tag steckte. Es waren Momente, in denen echte Verbindung entstand, nicht nur zwischen Fotograf und Subjekt, sondern auch zwischen Kunst und Leben.

Ein bleibender Eindruck

Dieser Tag erinnerte mich daran, worum es in der Fotografie wirklich geht: den Menschen zu sehen, ihn zu verstehen und mit der Kamera ein Dokument des Augenblicks zu schaffen. Diese Fotos sind weit mehr als Bilder für Friedrichs Sedcard oder Social Media. Sie sind ein persönliches Zeitzeugnis, das etwas Bleibendes transportiert – die Essenz von Menschsein und Begegnung.

Buchtipp:

Henri Cartier-Bressons Werk mit seinen vielfältigen Fotobänden ist ein absolutes Muss für jeden, der der tiefer in die Welt der Fotografie eintauchen möchte. Es zeigt, wie wichtig es ist, den richtigen Moment zu finden, in dem Emotion, Kontext und Perspektive zusammenkommen - alles, um eine Geschichte zu erzählen.

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